Über die Werkgruppe

Rupert Schroeder

objetos de oro – Pintura en el oro

gold objects – painting on gold

Morgenstund hat Gold im Mund – Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – das Handwerk mit goldenem Boden – ein Quentlein Gold wiegt mehr als ein Zentner Recht – nicht alles ist Gold, was glänzt – Gold wert sein – treu wie Gold – die goldene Mitte – der goldene Schnitt … Gold: Selten, beständig, unvergänglich und seit Menschengedenken begehrt.

Das große Fenster öffnet den Blick in den schönen Garten. Es ist ruhig, friedlich, leise … nichts stört die Konzentration. Der Tisch gefüllt mit Pigmentdosen, Farben, Malmitteln, Pinseln und vielem mehr. Rupert Schroeder sitzt in seinem Atelier, nimmt die Umgebung kaum wahr und arbeitet. Arbeitet versunken und wird eins mit seinem Werk. Das ist weiter nicht ungewöhnlich in einem Atelier, bis man einen Werkstoff auf dem Tisch entdeckt, der in der heutigen Kunst kaum zu finden ist: Ein vergoldeter Körper, der in Kürze mit dem Malgrund zum Objekt vereint wird. Gold und Kunst? Rupert Schroeder hat sich der Auseinandersetzung mit Gold als Werkstoff und Ausdrucksmittel gestellt. Mehr noch: Er hat Gold zum zentralen Thema seiner Arbeiten gemacht. Ein Tabubruch?

Gold wird in Verbindung mit Kunst in der heutigen Zeit im Allgemeinen abgelehnt. Viele namhafte Künstler haben sich immer wieder daran versucht. Gold ist nicht nur mit Sprichwörtern belegt, es gilt ebenso als zu schön, zu kunsthandwerklich, zu kirchlich und als nicht wirklich ernstzunehmend in einer künstlerischen Auseinandersetzung. Gold verträgt sich durch sein immenses Eigenlicht kaum mit der Eigenwirkung anderer Farben und erdrückt durch seine Dominanz. Ein Werkstoff welcher, eine Ausnahmeerscheinung in seiner Beständigkeit und dem nicht nach lassen seines Glanzes ist.

Die Dominanz des Werkstoffes war der Reiz, der Rupert Schroeder faszinierte. Er wollte versuchen etwas zu verändern, sich dem Gold und seinem Mythos nähern, es in seine Farben und Werke integrieren und seine unveränderlichen Eigenschaften in die Gesamtwirkung seiner Arbeiten einzubinden. Die kritische Auseinandersetzung mit changierenden Farben war schon lange Thema seiner Kunst. Nun lag der Reiz darin dem Gold eine neue Wirkung im Verbund mit anderen Farben und Darstellungen zu geben.

Die reine Fläche schien dabei zu begrenzt, eine Halbplastik sollte es sein. So entstand zu Beginn der Entwurf eines Buchenblattes, in der Größe von ca. 20 x 10 cm. Aus dem Entwurf wurde ein Holzobjekt gefertigt, das wiederum beim Vergolder mit 24 Karat blattvergoldet wurde. Die Arbeitsphase des Vergolders nutzte Rupert Schroeder sich dem Malen des Objektgrundes zu widmen, auf dem später das vergoldete Blatt seinen zentralen Platz finden würde. Auf hellem Grund entstand ein changierendes farbiges Blätterspiel, auf dem sich Malerei und Plastik unter Museumsglas in einem Bildkasten ergänzen konnten.

Dieses Bildobjekt „das Blatt“ fand seinen Platz im Wohnraum. Der Künstler konnte Abstand gewinnen und das Werk immer wieder von dem gegenüberliegenden Sofa im Gegenlicht betrachten. Mitte Juli, etwa gegen 17.00 Uhr, bemerkte er, dass die Sonne schwächer wurde und das Tageslicht nachließ. Der Blick wanderte immer wieder zum Bild, bei dem er mit großer Verwunderung ein Wechselspiel der Glanz- und Lichtveränderung bemerkte. Vom Rand in die Mitte und wieder zurück wanderte ein hypnotisches Licht, dass Bild und Bildwirkung veränderte, das Blattwerk des Untergrundes verschwinden lies und mit der Dämmerung allein das Goldobjekt für den Betrachter übrig ließ. Von diesem lichtverändernden Vorgang beeindruckt, hängte er am nächsten Tag ein zweites Bild, den Läufer, an gleiche Stelle und konnte auch hier die lebendige Veränderung des Bildes, durch Tageslicht und Uhrzeit beeinflusst, verfolgen. In einer Zeit, in der Lichtinstallationen die Museen erobern, Leuchtreklamen unseren Weg säumen, Straßenlaternen den ungetrübten Blick in die Sterne stören, wurde sich Rupert Schroeder so in seinen Arbeiten dem natürlichen Licht bewusst, dessen Wirkung er sich nun nicht mehr entziehen wollte. Beeindruckt von der Erkenntnis arbeitete er von nun an, um Goldobjekte, Malgründe und inhaltliche Auseinandersetzungen zu kombinieren und deren Ideenvielfalt und Wirkungen beim Betrachter arbeiten zu lassen.

Stehen die intensiven Farben der Malgründe in Konkurrenz zum Gold? Ergänzen sie sich und verstärken ihre Wirkung oder ist Gold zu Ton angebend? Wie arbeitet unser vorgeprägtes Verhältnis zum Gold, wenn wir Exponate betrachten, dem das seltene, beständige, unvergängliche und begehrte Metall einen Ausdruck schenkt, der die gewohnte Wertigkeit verändert.

Seitenansichten

Die Werkgruppe „Goldobjekte 24 Karat“: In diesem Katalog werden überwiegend 40 handvergoldete Holzobjekte dargestellt, Durchschnittsgröße zwischen 15 + 35 Zentimetern. Sie „schweben“ etwa 12 mm über dem Träger, einem Malgrund, der in Verbindung mit dem Motiv steht. Jedes Objekt ist ein Unikat. Die Träger der Objekte sind auf Stahl, MDF Platte, Leinen auf Karton, in der Hauptsache jedoch auf schwerem  handgeschöpftem Büttenpapier mit haptischer Oberfläche. In der Malerei finden überwiegend von Hand angerührte hochpigmentierte Farben Anwendung. Objekte und Malgründe in Bildkästen, bis zu einer Größe von 75 x 75 cm, durch Museumsglas geschützt. Die malerische Gestaltung umfasst gegenständliche, meist figurativ, inhaltsbezogene Malweisen.

Anna Schmidt